Jahresmotto 2022:

Heilpflanze des Jahres 2022: Brennessel

Für die Wirksamkeit von Urticae folium/herba wird ein breites Spektrum an Inhaltsstoffen verantwortlich gemacht. (Foto: nblxer / AdobeStock) 

 

Die Brennnessel kennt schon jedes Kind – wenn auch erst mal wegen unliebsamer Erfahrungen. Für viele positive Wirkungen sorgt Urtica dioica dagegen in therapeutischer Hinsicht. Darauf soll auch ihre Wahl zur Heilpflanze des Jahres 2022 aufmerksam machen.

Zum nun 20. Mal in Folge hat der Naturheilverein Theophrastus eine Heilpflanze des Jahres gewählt. Die Jury aus Experten der Naturheilkunde kürte für 2022 die Große Brennnessel (Urtica dioica). Das Nesselgewächs (Familie Urticaceae) löst damit den Meerrettich als Heilpflanze des Jahres 2021 ab. 

 

Reizende Natur

Den Ausschlag für die Wahl zur Heilpflanze des Jahres gab vor allem das vielfältige Anwendungsspektrum der Brennnessel. Neuere Untersuchungen deuten sogar darauf hin, dass in der Pflanze noch mehr als das schon bekannte therapeutische Potenzial stecken könnte.

Unterstützend bei Rheuma

Blatt- und Krautdroge der Brennnessel (Urticae foliumUrticae herba) sind unter anderem zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden indiziert. Brennnesselblätter-Trockenextraktpräparate,  sowie Brennnesselblätter als Teedroge stehen hierfür zur Verfügung. Werden solche Präparate mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) kombiniert, kann deren Dosis häufig reduziert werden.

Für Brennnesselblätter-/krautzubereitungen wurden antiphlogistische Effekte nachgewiesen. Diesen scheint eine Hemmung der Enzyme 5-Lipoxygenase und Cyclooxygenase zugrunde zu liegen. Dadurch wird die Bildung entzündungs- und schmerzauslösender Leukotriene und Prostaglandine vermindert. Außerdem hemmt Brennnesselkrautextrakt offenbar die Sekretion proentzündlicher Botenstoffe wie zum Beispiel Tumor-Nekrose-Faktor-α (TNF-α).

Zum Durchspülen der Harnwege

Ein weiteres Einsatzgebiet von Brennnesselkraut und -blättern ist die Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur Vorbeugung von Nierengrieß. Hierfür eignen sich neben Extraktpräparaten  insbesondere Brennnesselblätter-Teezubereitungen.

Antientzündlich und aquaretisch wirksam

Für die Wirksamkeit von Urticae folium/herba wird ein breites Spektrum an Inhaltsstoffen verantwortlich gemacht. Als maßgeblich für die antiphlogistische Wirkung gelten insbesondere Polyphenole, darunter die seltene Caffeoyläpfelsäure, Chlorogensäure sowie Flavonoide wie zum Beispiel Quercetin. Den Polyphenolen werden auch antioxidative Effekte zugeschrieben. Bei neueren Untersuchungen wurde in Brennnesseltee noch ein weiteres, bisher wohl übersehenes Polyphenol entdeckt: Phylloxanthobilin, ein Abbauprodukt von Chlorophyll, das ebenfalls antioxidativ und entzündungshemmend wirkt. Außerdem enthalten Brennnesselblätter und -kraut Scopoletin und Sitosterol sowie in den Brennhaaren kleine Mengen an biogenen Aminen wie Histamin, Serotonin und Actylcholin. Dem hohen Gehalt an Mineralsalzen und Kieselsäure wird speziell die aquaretische Wirkung der Droge zugeschrieben.


Arzneipflanze des Jahres 2022: Der Mönchspfeffer

Welche Wirkungen schreibt man Agnus castus, der Arzneipflanze des Jahres 2022, zu? (Foto: Viktoriya / AdobeStock)

 

Verwendung bei Menstruationsbeschwerden

Heute genießt Vitex agnus-castus als Arzneipflanze für die Frauenheilkunde große Wertschätzung, insbesondere in der Selbstmedikation. Zubereitungen aus Mönchspfefferfrüchten (Agni casti fructus) haben sich bei verschiedenen Menstruationsstörungen als wirksam erwiesen. Indiziert sind sie

  • bei Regeltempo-Anomalien – also Rhythmusstörungen der Menstruation, 
  • beim prämenstruellen Syndrom – also einem kurz vor der Regelblutung auftretenden Beschwerdenkomplex
  • sowie bei Mastodynie – also schmerzhaftem Spannungs- und Schwellungsgefühl in den Brüsten.

Regulation der Prolaktin-Sekretion

Verschiedene präklinische Studien wiesen für Zubereitungen aus Agni casti fructus dopaminerge Effekte und eine hemmende Wirkung auf die Prolaktin-Freisetzung nach. Als laktotropes Hormon ist Prolaktin physiologischerweise dafür zuständig, das Wachstum der Brustdrüse während der Schwangerschaft zu fördern und die Milchbildung anzuregen. Außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit kann jedoch zu viel Prolaktin den weiblichen Zyklus stören und zu prämenstruellen Beschwerden inklusive Mastodynie führen. Klinische Studien dokumentieren für Extrakte aus Mönchspfefferfrüchten eine signifikante Milderung von Symptomen des prämenstruellen Syndroms und von Regelanomalien.

Als geradezu widersprüchlich erscheint im Zusammenhang mit der Prolaktin-Hemmung eine seit Langem in der Erfahrungsheilkunde praktizierte Anwendung von Keuschlammfrüchten: zur Förderung der Milchmenge. Wissenschaftlich fundierte Daten gibt es hierzu nicht. Einige Fachleute warnen vor einem solchen Verwendungszweck.

 

Quelle: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2021/12/30/moenchspfeffer-ist-die-arzneipflanze-des-jahres-2022/chapter:2