Jahresmotto 2019: Wissen, was gesund hält

Heilpflanze des Jahres 2019: Das Johanniskraut

Das Johanniskraut ist Heilpflanze des Jahres 2019. Gekürt wurde die im Volksmund auch als „Herrgottskraut“ bezeichnete Pflanze durch eine Jury im Auftrag des NHV Theophrastus. „Sie ist vielseitig anwendbar und ein wahrer Segen als Heilmittel bei den heute so weit verbreiteten Depressionen“, verkündete Konrad Jungnickel, Erster Vorsitzender des Vereins.

Die Johanniskrautgewächse (Hypericaceae) bilden in der Botanik eine ganze Familie. Die Heilpflanze, von der hier die Rede ist, wird als Echtes Johanniskraut oder Tüpfel-Johanniskraut bezeichnet, botanisch: Hypericum perforatum.

Der griechische Gattungsname Hypericum kommt von hypereikon, was so viel bedeutet wie "über dem Bild": Das Kraut wurde über Götterbildern angebracht, um Böses abzuwehren. Wenn man die Blätter der Pflanze ins Licht hält, sieht man viele kleine durchscheinende Punkte, so als ob die Blätter Löcher hätten (tatsächlich sind es Öl- und Harzdrüsen). Deshalb ist "perforatum", das lateinische Wort für durchlöchert, die Bezeichnung der Art.

Der deutsche Name Johanniskraut (englische Entsprechung: St. John's Worth) wird davon abgeleitet, dass sich die gelben Blüten der Pflanze um den Johannistag (24. Juni) öffnen. Es gibt aber auch eine Erklärung, die den Namen auf Johannes, den Täufer, zurückführt.

Dies wird zum einen damit begründet, dass die strahlenförmig angeordneten Blüten eine besondere Verbindung zum Himmel darstellen. Zum anderen tritt beim Verreiben der Blüten ein roter Saft aus, der das Blut des geköpften Täufers symbolisieren soll.

Die Pflanze ist in Europa und dem westlichen Asien heimisch. Sie wächst z.B. an Waldrändern und Wegen, wird bis zu einem Meter hoch und trägt sonnengelbe Blüten.

Unkraut und Heilpflanze

Im Gegensatz zu vielen anderen Heil- und Gewürzpflanzen, die z.B. aus dem Mittelmeerraum stammen, musste das Johanniskraut nicht erst nach Mitteleuropa eingeführt werden. Es wächst hier auch wild - manchen sogar zu wild.

In der Landwirtschaft wird Johanniskraut, dessen Wurzeln bis zu einem halben Meter tief reichen, als Unkraut angesehen. Weidetiere ohne Hautpigmente (z.B. Schafe, Ziegen, Pferde), die zu viel Johanniskraut fressen, können schwere Schäden bis zum Tod davontragen.

In der Heilkunde ist Johanniskraut schon seit ca. 2.000 Jahren bekannt. Bereits bei Plinius (23 - 79 n. Chr.) finden sich Hinweise auf ein Kraut mit dem Namen Hypereikon, das bei Verbrennungen verwendet wurde.

Im Mittelalter erkannte man die Wirkung des Johanniskrauts auf die Seele. Johanniskraut wurde gegen "melancholische Gedanken" und "zerknirschte Nerven" eingesetzt, was sich für viele Betroffene als segensreich erwies.

Da die Schwermut jedoch als Dämon gesehen wurde (und die Heilung demnach als Vertreibung des Dämons), gewann das Kraut immer mehr Bedeutung im Zusammenhang mit Inquisition, Exorzismus und Hexenprozessen, was seine Beliebtheit deutlich verminderte.

Hilfe bei Depression

Inzwischen hat Johanniskraut sich als das führende pflanzliche Heilmittel bei leichten und mittelschweren depressiven Verstimmungen durchgesetzt. Der Siegeszug begann mit wissenschaftlichen Untersuchungen in den 1970er Jahren.

Man hat seitdem gut erforscht, welche Möglichkeiten der Einsatz von Johanniskraut bietet. Im Gegensatz zu anderen Heilpflanzen ist es jedoch bislang nicht gelungen, die Wirkung an einem bestimmten Inhaltsstoff festzumachen.

Daher geht man davon aus, dass das Zusammenspiel der verschiedenen Substanzen, darunter Hypericin und Hyperforin, für die Wirkung verantwortlich ist. Also wird als Arznei ein Gesamtextrakt aus Johanniskraut (kurz vor der Blüte geerntete Zweigspitzen) eingesetzt.

Es scheint festzustehen, dass Johanniskrautextrakt den Haushalt mehrerer Nervenbotenstoffe positiv beeinflusst. Weil sich dieser Einfluss jedoch erst langsam im Gemüt durchsetzt, muss man Johanniskraut über mehrere Wochen nehmen, um eine Wirkung zu verspüren.

Dies ist allerdings bei synthetischen Antidepressiva auch der Fall. Als besonderer Vorteil von Johanniskraut wird die gute Verträglichkeit angesehen: Nebenwirkungen sind seltener und weniger schwerwiegend, wodurch weniger Patienten die Therapie abbrechen.

Johanniskraut richtig einsetzen

Bei leichten und mittelschweren Depressionen ist die Wirkung gut belegt. Bei schweren depressiven Zuständen ist jedoch ein synthetisches Antidepressivum angesagt.

Auch bei mittelschweren Depressionen, die mit weiteren Symptomen einhergehen (z.B. Schuldgefühlen, Wahnzuständen, Selbstentfremdung, gravierende Beziehungsstörungen), wird von Johanniskraut eher abgeraten.

Dagegen ist die saisonal abhängige Depression ("Winterdepression", "atypische Depression") offenbar ein gutes Einsatzgebiet für Johanniskraut. Bei diesem Leiden sind die Betroffenen ständig müde, obwohl sie viel schlafen, und essen übermäßig viel Süßes.

Um eine relevante Wirkung zu erzielen, ist eine Tagesdosis von ca. 900 mg Trockenextrakt notwendig. Solche Dosen sind nur mit Fertigarzneien zu erzielen.

Johanniskraut kann die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen, was z.B. bei einem Skiurlaub zu beachten ist. Außerdem kann das Kraut die Wirkung anderer Arzneien beeinflussen (z.B. Antibabypille, Immunsuppressiva, Digitalis, Gerinnungshemmer). Daher sollte man sich vor der Verwendung von Johanniskraut immer gründlich beraten lassen - insbesondere, wenn man andere Arzneien nehmen muss.

18.12.2018 11:00 Uhr

Quelle: ttps://www.apotheke.com/gesundheit/medikamente/naturheilkunde/johanniskraut-heilpflanze-des-jahres-2019

 

Arzneipflanze des Jahres 2019: Der Weißdorn

Der Weißdorn ist die Arzneipflanze des Jahres 2019. Die Pflanze aus der Familie der Rosengewächse werde seit vielen Jahrhunderten vor allem gegen Herz- und Kreislaufschwäche eingesetzt, sagte Tobias Niedenthal vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde heute in Würzburg. Viele Studien hätten bestätigt, dass die Pflanze eine Wirkung auf das Herz habe. „Der größte Vorteil ist, dass Nebenwirkungen fast nicht vorhanden und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten nicht bekannt sind.“

Seit 2016 ist der Weißdorn (Crataegus) auch aufgrund der Unbedenklichkeit und der guten Verträglichkeit des Wirkstoffs von der deutschen Zulassungsbehörde als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Weißdorn sei damit das einzige bekannte mild wirkende pflanzliche Mittel gegen Herzschwäche.

ür die heilende Wirkung werden Blätter und Blüten genutzt und deren Wirkstoffe industriell extrahiert. Das könne man zwar auch selbst daheim machen, dann sei aber die Wirkung nicht garantiert, so Arzneimittelexperte Niedenthal.

Von Weißdorn gibt es mehrere Hundert Arten weltweit. Zwei in Mitteleuropa wachsende Varianten sind als Grundlage für das pflanzliche Arzneimittel zugelassen. Die Pflanze blüht meist zwischen Mai und Juni üppig weiß.

Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg legt jedes Jahr eine Heilpflanze fest. Das soll die Bedeutung der Arzneipflanzen als wirksame Medizin stärker ins Bewusstsein rücken.

 © dpa/aerzteblatt.de